Antrag: Schaffung eines Autonomen Referats für (werdende) Eltern*

Den folgenden Antrag stellen wir zwar nicht als Hochschulgruppe, sondern als Einzelpersonen, gemeinsam mit einigen Studierenden mit Kind. Nichtsdestotrotz kommen viele der hochschulpolitisch aktiven Unterstützer*innen aus der Juso Hochschulgruppe, weshalb wir den Antrag dennoch auf unserer Homepage veröffentlichen. Besprochen wird der Antrag voraussichtlich am kommenden Montag, den 09.11.2015. Wir hoffen auf Unterstützung der anderen Hochschulgruppen!

Antrag: Schaffung eines Autonomen Referats für (werdende) Eltern*

Zu beschließen:

Das Studierendenparlament beschließt die Aufnahme eines Autonomen Referats für Studierende mit Kind und werdende Eltern* an der Universität zu Köln.

Begründung:

Studierende mit Kind und werdende Eltern* benötigen eine starke Stimme in der Studierendenschaft: Ihre eigene! Ihre Situation ist in vielen Belangen mit besonderen Herausforderungen verbunden, was beispielsweise die finanzielle Situation und die Studienorganisation, aber auch die prüfungsrechtlichen Spezifika, die Infrastruktur an der Universität, die Betreuungsmöglichkeiten und viele weitere Punkte betrifft. Insbesondere in den ersten Lebensjahren, aber grundsätzlich bis zur Vollendung der Schulzeit (und sogar darüber hinaus) stellen sich Studierenden mit Kind je nach Alter des Kindes verschiedene Herausforderungen, die allesamt bewältigt werden müssen.

Zwar wird auch im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) die Situation Studierender mit Kind immer wieder thematisiert, doch die Arbeit an diesem Thema bedarf einer höheren Kontinuität als diese von potenziell jährlich wechselnden ASten gewährleistet werden kann. Zudem arbeiten im AStA vornehmlich Studierende ohne Kind, welche die Schwierigkeiten der Studierenden mit Kind bzw. werdenden Eltern* nicht aus erster Hand kennen und entsprechend – wenn überhaupt – nur mit Verzögerung auf aktuelle Hürden eingehen können. Darüber hinaus sind einige Themen, wie beispielsweise die speziellen finanziellen Regelungen, die für Studierende mit Kind gelten, höchst komplex, sodass die Einarbeitung eine geraume Zeit in Anspruch nimmt. Die Beratung und Arbeit zum Thema Studieren mit Kind zumindest in Teilen in ein Autonomes Referat auszulagern vermindert somit das Risiko der Weitergabe von Halbwissen und ermöglicht eine kontinuierlich kompetente Arbeit.

Dass Studierende mit Kind gern etwas verändern wollen und viele Ideen haben, zeigt sich in vielen Punkten. Beispielsweise gibt es immer wieder facebook-Diskussionen in den Gruppen für Studierende mit Kind an der Universität zu Köln, in denen Studierende mit Kind Forderungen und Probleme, die sich ihnen stellen, ganz offen ansprechen. Diese Probleme werden allerdings in Ermangelung einer festen Anlaufstelle nie weitergehend verfolgt, und somit bleibt die Situation der Studierenden mit Kind quasi unverändert. Das sollte nicht so sein.

Seit einigen Jahren arbeitet eine Gruppe Studierender mit Kind, die „Akademische Elternvertretung“ (AEV), als eingetragener Verein (ohne Mitgliedsbeiträge) an der Situation Studierender mit Kind. Die AEV ist unter anderem auch Teil der AG Studieren mit Kind, in der sich die Anlauf- und Beratungsstellen, die zu diesem Thema arbeiten, koordinieren. Die Arbeit der AEV ist jedoch zuletzt durch die Studienabschlüsse vieler Mitglieder etwas eingeschlafen, und ohne festen Raum und Budget wird die kontinuierliche Arbeit der Studierenden mit Kind erschwert. Ohne Kontinuität jedoch ist es zum einen schwer, neue Interessierte zur Mitarbeit zu motivieren, zum anderen ist es aber auch sehr schwierig, als Anlaufstelle für Studierende mit Kind und werdende Eltern* dauerhaft wahrgenommen zu werden. Da aber gerade Studierende mit Kind die Schwierigkeiten und Hürden der Universität aus erster Hand kennen, würde es der Gesamtheit der Studierenden mit Kind und werdenden Eltern* gut tun, wenn sich ein Autonomes Referat als feste Instanz etablieren und zur Anlaufstelle werden würde. Ein fester Raum und ein Budget würden diesen Prozess vereinfachen. Derzeit ist die AEV in Ermangelung eigener finanzieller Ressourcen finanziell oft auf Kooperationen mit dem AStA und weiteren Institutionen angewiesen, was so weder sein noch bleiben sollte. Das Konzept einer bzw. der Akademischen Elternvertretung ist unterstützenswert und sollte entsprechend auch vom Studierendenparlament dauerhaft unterstützt werden.

Zwar sind mit der psycho-sozialen Beratung des KStW, das Büro der Gleichstellungsbeauftragten, der Zentralen Studienberatung und weiteren Anlaufstellen bereits viele verschiedene Angebote gegeben. Abgesehen davon, dass die „Betroffenenperspektive“ den Mitarbeitenden in diesen Stellen fehlt, sind die Angestellten dieser Stellen neben den Beratungen jedoch oft zeitlich so eingespannt, dass das Angehen der Schwierigkeiten und Hindernisse gar nicht oder nur in sehr langsamem Tempo möglich ist. Nur ein Beispiel: Aus dem AStA ging am 02.04.2015 eine Mail an die Universitätsver(w)altung, dass die Liste der Wickeltische, die sich auf der Universitäts-Homepage findet (http://verwaltung.uni-koeln.de/abteilung23/content/studierende_mit_kindern/weitere_wickelmoeglichkeiten/), veraltet sei. Stand heute (15.10.2015), also über ein halbes Jahr später, ist die Liste immer noch nicht aktualisiert. Dieser spezifische Fall ist nur symptomatisch für eine Reihe von Schwierigkeiten zu verstehen. Gerade weil aber die „Profis“ der Uni keine Zeit haben, die strukturellen Schwierigkeiten aufzudecken und anzugehen, ist es wichtig, genau denjenigen Studierenden eine Stimme zu geben, die davon betroffen sind. Das fängt bei Wickeltischen an und endet damit, dass die Krankheit des Kindes prüfungsrechtlich mit der Krankheit des studierenden Elternteils gleichgestellt wird – und zwar in allen Prüfungsordnungen.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass die Universität sich zwar bemüht, aber nicht mit Studierenden mit Kind spricht, ist das Eltern-Kind-Zimmer an der Humanwissenschaftlichen Fakultät. Grundsätzlich ist es zwar begrüßenswert, dass ein solches Zimmer existiert. Wenn der nächste Wickeltisch aber inklusive Kind anziehen, sich selbst anziehen, alles zusammenräumen und dem Weg an sich fast zehn Minuten entfernt ist und nicht etwa ein Wickeltisch auf der Toilette der Etage eingerichtet wurde, wurde leider zu kurz gedacht. Wenn ein AStA diese Themen anspricht, so er sie denn auf dem Schirm haben sollte, was auch nicht gerade einfach ist, ist das allerdings nicht halb so glaubwürdig wie wenn Studierende mit Kind ihre eigenen Bedürfnisse vertreten. Hierzu müssen sie ermutigt und befähigt werden. Ein Autonomes Referat für Eltern* zu schaffen ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung.

Antragsteller*innen:

  • Gruppe „Hochschulpolitisch Aktive“ (in Reihenfolge des Unterzeichnens):

Paula Risius, Patrick Schnepper, Christiane Müller, Christopher Kohl, Michael Schema, Benedikt Ruppert, Katharina Letzelter, Florian Pranghe, Michael Bau

  • Gruppe „Akademische Elternvertretung“ und „potenzielle Mitarbeiter*innen“:

Laura Antonella Brings (Vorstand AEV), Stephanie Wu (Vorstand AEV), Jelena Jansen, Marie Alefeld, Nora Kelb, Isabelle Löffler, Jennyfer Seeliger, Lilian Bromen, Rabea Pfeifer

  • Gruppe „Weitere (werdende) Eltern*, die sich ein autonomes Referat wünschen würden“:

Kerstin-Nicole Steffens, Eric Zöller, Olivia Hain, Stephanie Alexandra Jahnz, Denitsa Angelova Sebbar

 

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