Nachbericht „One Dream, One Goal“

Nachher-Teamfoto

Am 3. Juni machten sich einige Mitglieder (Leon, Lena, Doğuş, Paula, Ben, Marc und Coach Susanna) der Juso Hochschulgruppe auf zu „One Dream – One Goal“ nach Montabour in Rheinland-Pfalz. Dieses integrative Fußballturnier wurde von unserem Mitglied Marcel mitorganisiert. Es wurde zu Gunsten von Geflüchteten bzw. drei Einrichtungen, die sich in diesem Rahmen engagieren, ausgetragen. Allerdings wurde nicht nur für Geflüchtete gekickt, sondern es nahmen auch drei Teams aus Geflüchteten aus der näheren Umgebung an dem Turnier teil. Nachdem der Großteil der Gruppe Freitagnachmittag mit einem Fernbus den Weg von Köln nach Montabaur einschlug und man nach einer circa einstündigen Busfahrt in Montabaur ankam, holte uns Marcel vom Bahnhof ab. Nach unserer Ankunft in der Turnhalle des Mons-Tabor Gymnasiums, machten wir uns auf den Weg zur Eröffnungsfeier. Diese begannen mit Grußwörtern der Bürgermeisterin von Montabaur und dem Schulleiter des Mons-Tabor Gymnasiums. Anschließend stellte das Organisationsteam die drei Spendenziele vor. Die Eröffnungsfeier wurde durch Klavierspiel eines Geflüchteten abgerundet, der Abend mit einem Grillevent abgeschlossen. Einige Party-Animals der Juso HSG ließen es sich jedoch nicht nehmen, sich zu später Stunde noch das ein oder andere Kaltgetränk zu genehmigen und die Konkurrenz schon einmal vorab zum Kicken herauszufordern.

Kaltgetränke

Am nächsten Morgen startete man um 7 Uhr recht früh in den Tag und begann ihn mit einem gemeinsamen Frühstück, um im Anschluss in eine Workshopphase mit Vorträgen, Filmvorführungen oder Ähnlichem teil. Ab 11 Uhr begann schließlich das Turnier, kurz zuvor waren noch Felix und Kathi zum Team gestoßen. Im ersten Spiel starteten wir mit der Startaufstellung aus Torwart Ben, Leon, Doğuş, Paula, Felix und Lena. Wir schlugen uns wacker gegen den ersten Gegner (Team X) und kassierten erst in den letzten 30 Sekunden einen ärgerlichen Treffer, nachdem Ben zuvor viele starke Bälle halten konnte.

Ben

Im zweiten Spiel trafen wir auf das Team #IHML und starteten mit gleicher Formation. In diesem Spiel sahen wir allerdings kein Land und ging mit 0:4 baden. Coach Susanna motivierte unser Team anschließend nochmal für das letzte Gruppenspiel, vor dem allerdings bereits feststand, dass das Viertelfinale nicht mehr zu erreichen war. Auch im abschließenden Spiel der Vorrunde gegen die „barmherzigen Sprinter“ nicht an die couragierte Leistung des ersten Spiels anknüpfen und verloren mit 0:3. So wurden wir Vierter in einer relativ starken Gruppe und zog in die Zwischenrunde um die Plätze 13-16 ein.
Hier ergab es sich, dass das Team der Student*innen Köln bereits aufgegeben hatte. Dadurch gewannen wir unser erstes Spiel (wenn auch kampflos :)).

Freude

Nachdem die Straßen-Ninjas im Parallelspiel die Wilden Mädchen bezwungen hatten, kam es im Spiel um Platz 13 zur bist dato besten Leistung des Hochschulgruppenteams: Susanna änderte erfolgreich die Aufstellung und stärkte so die Offensive. Nach circa 5 Minuten gingen wir – nicht unverdient – durch Doğuş in Führung und versuchten anschließend, diesen Vorsprung zu verteidigen. Das gelang uns allerdings nicht allzu lang: Die Straßenninjas spielten nun ihre fußballerische Überlegenheit aus und kamen verdient zum Ausgleich. Anschließend daran jedoch entdeckten wir unseren Kampfgeist zurück und drückten auf das Siegtor, das Felix schließlich zwei Minuten vor Ende der Partie gelang, Von da an verteidigten wir den Sieg und schlossen das Turnier glorreich mit dem 13.Platz ab!
Neben einer Menge Spaß für die Juso Hochschulgruppe nahmen wir auch einen Pokal mit zurück nach Köln. Wir bedanken uns bei Marcel und dem „One Dream – One Goal“- Organisationsteam für dieses tolle Turnier und würden uns über eine erneute Einladung nächstes Jahr sehr freuen!

Vorher Teamfoto

Die SPD und ihr Verhältnis zum Antisemitismus und zu Israel

Eine Podiumsdiskussion mit Dr. Kristina Meyer, Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts, und Dr. Sebastian Voigt, Institut für Zeitgeschichte

Eine Veranstaltung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft AG Bonn, desBündnis gegen Antisemitismus – BgA Köln und der Juso Hochschulgruppe Köln

Die beiden ReferentInnen werden kurze Inputs geben. Dr. Sebastian Voigt wird den Zeitraum bis 1945 bearbeiten und dabei das Verhältnis der SPD zum Antisemitismus behandeln. In diesem Zeitraum war die Sozialdemokratie eine starke Gegnerin des Antisemitismus, allerdings waren die SozialdemokratInnen auch nicht frei von dem die Gesellschaft prägenden Ressentiment. Dr. Kristina Meyer wird sich mit dem Zeitraum nach 1945 befassen und das Verhältnis der SPD zu Israel behandeln. Die Sozialdemokratie stand für eine Verständigung mit Israel und eine offensiven Umgang mit der Vergangenheit. Auch zu vergangenheitspolitisch unbelasteten Führungsfiguren wie Bundeskanzler Willy Brandt waren die Beziehungen allerdings nicht immer spannungsfrei, da diese für einen Ausgleich mit der PLO und der Fatah eintraten, als diese noch Terrororganisationen waren. Unter Bundeskanzler Helmut Schmidt, der im II. Weltkrieg Wehrmachtsoffizier war, spitzten sich die Spannungen zu.

An die knapp vorgetragenen Thesen wird eine Diskussion, moderiert von Dr. Johannes Platz anschließen.

Sebastian Voigt, Mitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte in München, wurde an der Universität Leipzig bei Dan Diner mit einer Arbeit über den „Jüdischen Mai 1968″ in Frankreich promoviert, einer gedächtnisgeschichtlichen Studie über das Verhältnis dreier prominenter jüdischer Akteure zur NS-Vergangenheit und den Auswirkungen auf ihr Engagement im Mai 1968. Kristina Meyer, wissenschaftliche Geschäftsführerin des „Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts“, wurde an der Universität Jena bei Norbert Frei über das Verhältnis der Sozialdemokratie zur NS-Vergangenheit promoviert und hat sich dabei intensiv mit der Nachkriegsgeschichte der Sozialdemokratie befasst.

Montag, 20. Juni 2013, 19-21 Uhr, Universität Köln, Raum HS XIII

Antrag im Studierendenparlament: Raum der Stille

Für die kommende Sitzung des Studierendenparlaments am 30.05.2016 haben wir als Hochschulgruppe einen Antrag zum sogenannten „Raum der Stille“ erarbeitet.

Das Studierendenparlament begrüßt die Entscheidung der Universität zu Köln, einen sogenannten Raum der Stille einzurichten. Außerdem fordern wir die Universität auf, den Dialog zwischen Wissenschaft und Religion sowie den interreligiösen Dialog stärker zu fördern, z.B. in Form von Ringvorlesungen oder Podiumsdiskussionen.

Begründung:

Die Juso Hochschulgruppe sieht in der Einrichtung eines sogenannten „Raumes der Stille“ eine Chance, Studierenden eine Rückzugsmöglichkeit im universitären Alltag zu bieten und ihnen gleichzeitig einen Ort zum Beten zur Verfügung zu stellen.

Durch die Öffnung eines neutralen Raumes wird in niemandes Rechte eingegriffen, weshalb wir mit Unverständnis betrachten, dass andere Gruppen Anstoß an diesem Raum finden. Wir stellen uns mit diesem Antrag auch gegen die Skandalisierung, die der Schließung einzelner Räume der Stille in der Vergangenheit entgegengebracht wird und wurde und plädieren dafür, Vertrauen in die Studierenden der Universität zu Köln aufzubringen, anstatt sie unter Generalverdacht zu stellen. Zudem zeigt die Erfahrung anderer Universitäten (z.B. Bochum – das Konzept wurde dort sogar erweitert; Bremen, Düsseldorf, Freiburg, Göttingen, Kassel, Kiel, Lüneburg, Luzern, Oldenburg, Paderborn), dass dieses Konzept in der Praxis in vielen Fällen funktioniert. Dies ist oft einfachen Nutzungsordnungen zu verdanken, die es auch im Falle der Universität zu Köln geben wird. Der Raum bietet nicht nur Platz für – wie andere Gruppen sie betiteln – „religiös-spirituelle Bedürfnisse“, sondern gibt allen Studierenden die Möglichkeit, im hektischen Universitätsalltag zur Ruhe zu kommen. Er ist weder konfessionell noch ideologisch gebunden. Daher sehen wir die Rolle der Universität als unparteiischer und zur Neutralität verpflichteter, staatlicher Bildungseinrichtung durch die Einrichtung eines Raumes der Stille nicht gefährdet.

Als Juso Hochschulgruppe sehen wir zudem den Bedarf einer vermehrten Förderung des interreligiösen Dialogs gerade in Zeiten, in denen Antisemitismus, Rechtsextremismus, Islamophobie und Xenophobie auf dem Vormarsch sind. Deswegen würden wir es begrüßen, wenn es im universitären Rahmen zusätzlich zum „Raum der Stille“ vermehrt Angebote für diesen interreligiösen Dialog geben würde.

Antrag im Studierendenparlament: Aufwandsentschädigung im PJ anheben

Hinweis: Antragssteller ist der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA), in dem wir auch in dieser Legislatur mitarbeiten.

Das Studierendenparlament möge beschließen, der Studierendenschaft Medizin, insbesondere der Fachschaft Medizin, Unterstützung auszusprechen, im Hinblick auf die Verhandlungen mit der Uniklinik Köln mit dem Ziel, die Vergütung im Praktischen Jahr auf die staatliche Höchstgrenze von 597€ pro Monat anzuheben.

Das Studierendenparlament spricht sich gegen die derzeitige Aufwandsentschädigung von 3,12 € pro Stunde aus und unterstützt die Forderung der Fachschaft Medizin,  Studierenden im Praktischen Jahr nach 5 Jahren Studium (Regelstudienzeit) eine angemessenere Entschädigung für ihre Arbeit zu bezahlen.

Dies kann natürlich nur ein Zwischenziel auf dem Weg zur fairen Entschädigung von Studierenden sein. Langfristig muss eine Anhebung der staatlichen Obergrenze zur Vergütung mindestens auf Höhe des Mindestlohns angestrebt werden.

Begründung:
Medizinstudierende müssen in ihrem 11. und 12. Fachsemester ein praktisches Jahr (PJ) in als solchen anerkannten akademischen Lehrkrankenhäusern deutscher Fakultäten absolvieren. Dieses ist in Tertiale aufgeteilt. Studierende sind zu diesem Zeitpunkt bereits zweimal examiniert, ihr Studierendenstatus bleibt während des Jahres erhalten.

Die staatliche Höchstgrenze für die monatliche Vergütung liegt derzeit bei 597 Euro (orientiert am BAföG). Die Universitätsklinik Köln bezahlt den Studierenden allerdings nur 400 Euro pro Monat und legt für alle Lehrkrankenhäuser diese als Höchstgrenze fest, eine Mindestgrenze gibt es nicht. Lehrkrankenhäuser verlieren ihren Status als solche, wenn sie mehr bezahlen sollten. Somit gilt für Medizinstudierende der Universität zu Köln eine zusätzliche Höchstgrenze von 400 Euro und nur geringe Möglichkeiten diese durch ein PJ-Tertial im Ausland zu umgehen.

In dieser Zeit erleben Studierende den klinischen Alltag, betreuen zum Teil selbstständig Patient*innen und assistieren Ärzt*innen in vielfältiger Art und Weise. Sie arbeiten nach  den Vorgaben 32 Stunden pro Woche, da die Fachschaft Medizin 90 Minuten pro Arbeitstag als Zeit zur Examensvorbereitung ausgehandelt hat. Oft wird diese Zeit zum Eigenstudium nicht ermöglicht und zusätzliche Überstunden können hinzukommen, sodass eine Nebentätigkeit beinahe ausgeschlossen ist und von der Fachschaft außerdem als nicht sinnvoll und unverantwortlich eingestuft wird. Als Finanzierungsmöglichkeiten bleiben während ihrer Tätigkeit im Krankenhaus nur die Eltern, BAföG oder die Aufnahme eines Studienkredits. Damit eine eigenständige Finanzierung des Studiums gewährleistet werden kann, ist eine Anhebung der Aufwandsentschädigung daher unumgänglich.

Antrag im Studierendenparlament: Ausspruch gegen die Schließung der ZBMed

Antrag: Ausspruch gegen die Schließung der ZBMED
Antragsstellerin: Juso HSG

Das Studierendenparlament möge beschließen, sich gegen die Schließung der Zentralbibliotheken Medizin in Köln und Bonn auszusprechen und die Petition #keepZBMED zu unterstützen. Studierende wie auch die Öffentlichkeit sollen aufgefordert werden, diese zu unterschreiben. Das Studierendenparlament möge die Empfehlung des Senats der Leibniz Gesellschaft kritisieren, den Ausbau der Forschungsaktivitäten zu stoppen und die 119 Mitarbeiter*innen an einen anderen Standort zu versetzen, wenn nicht gar zu kündigen. Es spricht sich mit Beschluss des Antrags weiterhin gegen Sparen an der Infrastruktur aus, weil dies die Forschung vor Ort schädigt. Daher sendet das Studierendenparlament einen unterzeichneten Brief an die Gemeinsame  Wissenschaftskonferenz, Herrn Gröhe, Frau Schulze und Frau Prof. Dr. Wanka. Der Brieftext findet sich in Anführungszeichen gesetzt in der Begründung des Antrags und soll  mit ergänzter Anrede und Grußformel verwendet werden.

Begründung:
Die ZB MED kommt mit ihrem umfangreichen Lehrbuchbestand und einer in Deutschland
einzigartigen Fachzeitschriftensammlung, einer professionellen und kompetenten  Fachberatung, sowie ihren barrierefreien Lernplätzen den Kölner Studierenden zu Gute. Ihre Schließung würde den Studierenden der betroffenen Fachgebiete eindeutig in ihrem Studium und der wissenschaftlichen Recherche zum Nachteil gereichen, deshalb soll auch die Petition #keepZBMED unterstützt werden.

„[Das] Leibniz-Informationszentrum Lebenswissenschaften ZB MED ist die größte  deutsche Bibliothek im Medizinbereich, die weltweit einzige Bibliothek mit einem lebenswissenschaftlichen Fächerspektrum. Auf diese Weise ist ZB MED die zentrale Infrastruktur für die Recherche nach und Beschaffung von medizinisch-bzw. lebenswissenschaftlichen Informationen. […]

[Sie] verfügt über einen Bestand von 7.447 laufend gehaltenen Zeitschriften, davon 2.715 im nationalen Alleinbesitz. Über 2.700 Zeitschriften sind allein über ZB MED zugänglich. Das Archiv von ZB MED gewährleistet den dauerhaften Zugriff auf diese  Forschungsergebnisse. […]

[Außerdem enthält] das interdisziplinäre Suchportal LIVIVO von ZB MED […] über 55 Millionen Nachweise qualitätsgeprüfter lebenswissenschaftlicher Literatur aus 45 Datenbanken [und] ist eine der drei großen Zentralen Fachbibliotheken in Deutschland, die insbesondere für die überregionale Literaturversorgung von lebenswissenschaftlicher Spitzenforschung von zentraler Bedeutung ist. Damit übt ZB MED eine unverzichtbare Dienstleistungsfunktion für nahezu alle deutschen Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen auf der Basis einzigartiger Bestände aus.

Der Verein Deutscher Bibliothekare und Bibliothekarinnen (VDB) ‘befürchtet bei einer
Abwicklung der ZB MED einen großen und irreversiblen Schaden für die  Informationsversorgung in den gesamten Lebenswissenschaften. Die vermeintlichen Einsparungen, die mit einer Schließung erzielt werden könnten, stehen in keinem Verhältnis zu den dann an anderer Stelle in vielfacher Summe anfallenden Mehrausgaben.“

(Aus dem Textbaustein der ZBMED: http://www.zbmed.de/ueber-uns/presse/neuigkeiten-aus-zb-med/artikel/zbmed-
nach-leibniz-senatsbeschluss-vor-dem-aus/)

Jahreshauptversammlung und Klausurtagung 02.04.

Die Juso Hochschulgruppe Köln hat sich am 02.04. um 11 Uhr zur Jahreshauptversammlung und einer anschließenden Klausurtagung getroffen. Wir bedanken uns bei unserem letztjährigen Sprecher*innenrat bestehend aus Paula Risius, Katharina Letzelter, Lusalla Nzanza, Felix Breiteneicher und Benedikt Ruppert. Der Neugewählte Sprecher*innenrat besteht nach einer Satzungsänderung aus zwei Koordinator*innen, einem/einer Finanzer*in und dem Öffentlichkeitsteam weiterhin bestehend aus bis zu 3 Personen. Jana Thomas und Leon Rauch wurden zu den Koordinator*innen gewählt. Zum Finanzer wurde Michael Schema gewählt. Das Öffentlichkeitsteam besteht im kommenden Jahr aus Catharina Gündel und Nicholas Hellmann.
Im Anschluss an die Jahreshauptversammlung hielten wir eine Klausurtagung ab, in der wir uns in die Gruppen Öffentlichkeitsarbeit und Inhaltliches aufteilten. In diesen diskutierten wir die Ausrichtung der Juso Hoschulgruppe für das kommende Jahr. Abgerundet wurde der Tag von einem entspannten gemeinsamen Grillabend.

Rückblick auf die Landtagswahlen

Die Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt sind nun acht Tage her. Neben deutlichen Siegen für die AfD, Ohrfeigen für die CDU und Arschtritten für die SPD wird ein bundesweiter Politikwechsel herbeigeredet. Man müsse nun klare Haltung in der Flüchtlingskrise zeigen, zusammenstehen, reflektieren und allerlei Geschwätz. Gesprochen wird allerdings sehr wohl, egal wo, wann und wer mit wem. Einige unserer Mitglieder formulieren vorab schonmal ein paar Fragen und Anmerkungen, die man einigen Personen(-gruppen) entgegnen könnte. Wir möchten vorwegschicken, dass das ein oder andere etwas flapsig klingen könnte.

 

Lieber Sigmar Gabriel,

die drollige Schreibzunft hatte tatsächlich mit ihrer Vermutung recht: Malu hat Dir den Allerwertesten gerettet. Mit dem, was Dir grundsätzlich abgeht, oder Du vielleicht einfach nur rekordverdächtig schlecht präsentierst, nämlich mit klarer Haltung und Charisma. Selbstverständlich darfst Du Dich über den unerwartet deutlichen Wahlsieg in der Pfalz freuen. Du hast aber erneut stilsicher bewiesen, dass Du nur eine Sache wirklich gut beherrschst: die Schönrednerei. Das wusste man zwar schon, nachdem Du aus einem erbärmlichen Wahlergebnis von 74% zum Parteivorsitzenden flugs eine Zweidrittelzustimmung gemacht hast. Deine Statements zu den Landtagswahlen toppten das allerdings nochmal deutlich. 12% bei den Schwaben und 10% in Saxen-Anhalt? Naja, passiert schonmal, die 12% erklären sich durch Kretschmann, die 10% irgendwie merkwürdig, die Wahlen sind halt schwierig. Ist auch egal, seit 2005 hat man ja keinen amtierenden Ministerpräsidenten verloren und Malu war im Fokus. Solange man Deine Wortbeiträge inhaltlich aufgrund der letzten Sonntagsfrage prognostizieren kann, wird unsere Partei allerdings weiter gen Politorkus gespült werden, auch wenn Du das standhaft bestreiten magst. Bei Landtagswahlen krachen wir nämlich ein, wenn es keine charismatische Person an der Spitze des Landesverbands gibt. Bitte zieh’ mal vernünftige Konsequenzen und schwätz’ nicht irgendeinen Blödsinn über blühende SPD-Landschaften, das nimmt Dir sowieso niemand ab.

Hallo Julia Klöckner,

die Behauptung, dass durch AfD-Wahl das linke Lager gestärkt werden würde, war schon letzte Woche bescheuert, hat sich am Wahlabend aber auch für Sie sichtbar als Unfug herausgestellt. Sie mögen es mit ihrem eingefrorenen, herzerkältenden Grinsen zwar mal zur Königin der Pfälzer Weinberge gebracht haben, doch über deren Grenzen reicht Ihr Charme ofenkundig nicht hinaus. Die Rede, die Sie tapfer grinsend hielten, als Sie versuchten, das desaströse Ergebnis Ihrer Eiertänzertruppe irgendwie schön zu reden, klang für manche zwar eher nach einem “Ich bin dann mal weg, bis demnächst in Berlin und was Ihr hier macht, interessiert mich nicht mehr”, war aber vor allem ein Highlight, weil Sie ernsthaft verkündeten, ein Wahlziel erreicht zu haben, schließlich sei Rot-Grün abgewählt, hahaha. Lustig, was? Vor allem der zu Lasten aller gehende Aufstieg der AfD. Ein Karrieretipp noch zum Schluss: Vielleicht mal weniger flexibel auf der xenophoben Klaviatur klimpern, sondern Aufrichtigkeit proben. So wie Dreyer und Kretschmann. Denn auch bei politisch konservativ eingestellten Menschen kommen bayrophile Töne nicht zwingend gut an. Klingeln Sie mal bei Sarkozy.

Huhu Protestwählerschaft!

Da hast Du’s dem Establishment ja mal richtig krass gezeigt! Nicht alle sind so clever und votieren für eine Truppe, die Sozialleistungen für Unfug, den Klimawandel für eine Lüge und Englisch für eine Scheißhaussprache der Wissenschaft hält, die dringend durch Deutsch ersetzt werden müsse. Schuld an allem sind die bösen Smartphone tragenden, vom Staat finanzierten Muselmanen und die Politiker da oben, die Eure Sorgen nicht ernst nehmen. Aber man wird seine Meinung ja wohl noch per Wahlstimme kundtun dürfen! Ihr seid ja auch zu bemitleiden, eine Gemeinschaft der Opfer von Gutmenschen- und sozialromantischer Politik. Immerhin habt Ihr dazu beigetragen, dass die Deutschen keine Ausnahme mehr in Europa sind. So kommentierte es jedenfalls eine französische Journalistin auf SPON. Sie sei erleichtert, dass es in Deutschland auch Probleme mit Rechtsextremen gäbe. Nach dieser Sichtweise habt Ihr also den Abgesang auf die teutonische Herrenrasse angestimmt und Euch de facto selbst ausgetrickst, haha! Vielleicht versteht Ihr ja zudem auch irgendwann mal, dass die alternativen Abgeordneten in Landtagen eher wenig Einfluss auf die Bundespolitik ausüben können.

Unliebe CSU,

so viele Saupreißn wünschen sich, dass Ihr mal bundesweit zur Wahl steht! Ist das nicht toll? Hätte die bürgerliche Variante der AfD doch nur bei den Landtagswahlen zur Verfügung gestanden, so wäre uns doch die richtige AfD erspart geblieben! So zumindest die Suggestion. Was damit gewonnen worden wäre? Das rassistische Gegrunze wäre immerhin in bayrischer Sprache vorgetragen worden und damit wenigstens ein bisschen lustig gewesen. Aber mal abgesehen davon wäre es vielen wahrscheinlich lieb, wenn Ihr Eure verbalen Schlammschmeißereien hinterm bajuwarisch-antifaschistischen Schutzwall lassen könntet und nicht schon am Montagmorgen davon schwadroniert, künftig eine härtere Linie in der Flüchtlingspolitik fahren zu wollen. Die gibt’s nämlich schon. Wo? Ratet’s, Burschen! Richtig: im frauk’schen Storchenheim zu Dresden. Solange Ihr, die einzig gesellschaftlich weitgehend akzeptierte Seperatistenpartei auf deutschem Boden, Euch nicht endlich vom Bund lossagt, werden die Fragen, weshalb eine kleine Truppe aus der bayrischen Provinz so viel Einfluss auf die Bundespolitik haben darf, möglicherweise lauter werden. Freuen würd’s uns allemal.

Werter Barbara Wolf,

Durch Ihr Wahlergebnis ist zumindest eines sicher: Stefan Mappus ist rehabilitiert! Das atomindustrieliebende Moppelchen holte 39%, Sie immerhin herausragende 27! Nicht unbedingt ein Grund zum Feiern, aber für Sie Grund genug, trotz Kretschmann die Regierungsbildung einzufordern. Eine Deutschlandkoalition fürs Ländle, das wär’s doch! Damit hätten Sie es allen gezeigt! Auch Ihrer Partei, die sich gerade sehr laut fragt, ob Sie, Wolf, noch alle Spätzle im Häusle haben. Einen Stimmenverlust von 12% interpretieren Sie als “Auftrag, zu einer stabilen Regierung beizutragen”? Da Sie mit solchen Aussagen bereits ankündigen, bei der nächsten Landtagswahl die 20% zu knacken, wünschen wir Ihnen und Ihrer Frau Guido weiterhin viel Freude und verbleiben mit kretschenden Grüßen.

Und zum Abschluss, Frankfurter Allgemeine Zeitung,

möchten wir nur der Vollständigkeit halber darauf hinweisen, dass Deine monatelange kleingeistige Vorgartenhetze gegen Merkel, Muslime und Migrant*innen exakt die Saat für die Landtagsergebnisse war, auf die Du jetzt bestürzt hinabschaust. Gemachte Politik ist das eine, die aufheizende Berichterstattung das andere. Nun “Zwischen Albtraum und Wirklichkeit” in Bezug auf die AfD zu titeln, ist in Etwa vergleichbar mit dem Geflenne des behenkelten Lucke. Denn der war auch irgendwann erschrocken, von dem, was er da heranzüchtete. Kommt Dir da was bekannt vor? Genau: Hinterher will man in Deutschland grundsätzlich nicht Schuld gewesen sein.

 

Wenn alle diese Hinweise und Bitten beachten, wird Deutschland flugs ein ganz tolles Land. Darauf ein dreifaches “Deutschland, Glückauf!”
Euer Florian, euer Lulu, euer Christopher.