Archiv für den Monat: Juni 2013

Stellungnahme der Juso-HSG zur Abschaffung des BA Sozialwissenschaften

Sonntagabend ist öffentlich bekannt worden, dass der Bachelor-Studiengang der Sozialwissenschaften an der Universität zu Köln abgeschafft werden soll. Es gibt bisher keine bewusste und reflektierte Informationspolitik der universitären Gremien gegenüber der Öffentlichkeit und den Studierenden.

Wir sind aus folgenden Gründen empört:
• Die enorme gesellschaftliche Bedeutung des Studiengang Bachelor Sozialwissenschaften wird mit der Umstrukturierung ignoriert!
• Die Informationspolitik ist ungenügend!
• Das Hochschulfreiheitsgesetz schadet Demokratie und Wissenschaft!

Die Bedeutung von Sozialwissenschaften

Wir erachten den Bachelorstudiengang Sozialwissenschaften als ein gesellschaftlich bedeutendes Studienangebot an der Universität zu Köln. Eine Auseinandersetzung mit den Geschehnissen der Welt und unserer Gesellschaft bedarf einer fundierten Betrachtung, die heute in den Hauptfächern der Sozialwissenschaften vermitteln werden soll. Eine Weiterentwicklung unserer Gemeinschaft benötigt kritisch denkende Köpfe, die sich auch abseits von wirtschaftsliberalen Glaubenssätzen zu Politik und Gesellschaft positionieren können.

Der Studiengang B.Sc. Sozialwissenschaft bietet bisher ausreichend Wahlfreiheit für die Studierenden. Es gibt heute eine breite Auswahl an Angeboten, die Studierenden können eigenständig Schwerpunkte wählen und sich spezialisieren, um vertiefend weiter zu studieren. Ausdruck findet diese beispielsweise auch später in der Auswahl zwischen den Master-Studiengängen “Soziologie und Empirische Sozialforschung” und “Politikwissenschaften”. Die Sozialwissenschaften sollten in der Fakultät einen unabhängigen und gleichgestellten Anteil der Lehre und Forschung bilden. Heutzutage liegt der Schwerpunkt der Fakultät definitiv nicht auf den Sozialwissenschaften, obwohl es beispielsweise mit der Kölner Schule in der Soziologie dafür historisch durchaus Anknüpfungspunkte gäbe. Eine verpflichtende Zusammenlegung von VWL und Sozialwissenschaften ist keine zielführende Weiterentwicklung des Studienangebots. Eine zu starke Nähe zu den Wirtschaftswissenschaften engt die Sozialwissenschaften ein. Die Wahlfreiheit der Studierenden ist damit in den Sozialwissenschaften stark reduziert.
Dies ist darüber hinaus genau das Gegenteil der Forderungen von Seiten der Studierendenschaft, welche zum Beispiel auf dem Studienreformtag an der Universität vor einer Woche ausgearbeitet wurden. Diese sind unter Anderem weniger Restriktionen im Studium, mehr Wahlfreiheit und vor allem studentische Beteiligung an den zukünftigen Reformprozessen. Die Studierendenschaft wird also übergangen. Wir fordern mehr Beteiligung auf Augenhöhe anstatt weniger!

Die Informationspolitik ist ungenügend!

Der bewusste Ausschluss der (universitären) Öffentlichkeit im Zuge dieser geplanten Änderung – auch wenn sie noch nicht final abgeschlossen ist – ist nicht hinnehmbar. Nach unseren Informationen wird die Abschaffung des B.Sc. Sozialwissenschaften in der aktuellen Form seit über einem halben Jahr vorbereitet und diskutiert. Dabei sind die Studierenden nicht ausreichend beteiligt worden. Hinterzimmerpolitik von Gremien zulasten der Studierenden ist für uns nicht akzeptabel. Wir hätten von den gewählten Gremien und insbesondere von den Studierendenvertreter*innen eine offensivere Informationspolitik und Einbeziehung auch von Studierenden außerhalb der Fachschaft erwartet. Befremdlich ist für uns auch der Umgang der zuständigen Studierendenvertreter*innen auch nachdem die Abschaffung von anderer Stelle nach drei Monaten publik gemacht wurde. So wird verneint, dass der B.Sc. Sozialwissenschaften abgeschafft werden soll, obwohl, nach Angaben des Prodekans und der WiSo-Fachschaft, VWL verpflichtend werden soll und es nicht mehr möglich sein wird Politik und Soziologie in Kombination zu studieren. Dies stellt aus unserer Sicht eine unreflektierte Verdrehung der Tatsachen dar, die wir entschieden verurteilen!

Der AStA hat den oben erwähnten Studienreformtag, an dem das Rektorat sogar alle anderen Veranstaltungen an der Uni abgesagt hat, zu dem Zweck durchgesetzt, dass sich Studierende an den Diskussionen zur Verbesserung der Lehre beteiligen können. Dieser Tag ist eine ideale Möglichkeit gewesen, um mögliche Schwächen (aus Sicht der Universität) des Studiengangs zu diskutieren. Die informierten Studierendenvertreter*innen gehören derselben Hochschulgruppe an, die als Teil des AStA auch den Studienreformtag mitorganisierte und parallel mit für die Abschaffung in der aktuellen Form stimmten. Es ist ein Skandal, dass dieses Reformvorhaben nicht auf dem Studienreformtag zur Diskussion gestellt wurde! Eine kooperative Zusammenarbeit mit AStA und Studierendenparlament wäre das Mindeste gewesen.

Das  Hochschulfreiheitsgesetz schadet Demokratie und Wissenschaft!

Die Abschaffung des B.Sc. Sozialwissenschaften ist ein Resultat der wirtschaftsliberalen Ausrichtung der Hochschulen in NRW, welche ein massives Problem in der Wissenschaftspolitik unseres Landes ist. Die studentische Mitbestimmung ist zwingend paritätisch sicherzustellen. An der Frage B.Sc. Sozialwissenschaften sieht man, warum dies wichtig ist! Die Beteiligung der betroffenen Studierenden ist von größter Bedeutung.
Unsere Hochschulen sollen der Gesellschaft dienen, nicht der Wirtschaft. Die reine Konzentration auf eine wirtschaftswissenschaftliche Betrachtung führt die gesellschaftliche Debatte in den Irrweg. Eine Universität ist kein Ausbildungsbetrieb. Die Landeszuschüsse sind für Bildung und Wissenschaft und nicht für Ausbildung gedacht! Employability darf nicht zum Maß aller Dinge gemacht werden! Daher ist es unserer Überzeugung nach von großer Bedeutung, dass das Land NRW endlich wieder Einfluss darauf nimmt, was mit den öffentlichen Geldern an unseren Hochschulen passiert und für eine vollständige Ausfinanzierung der Hochschulen sorgt. Eine gesamtgesellschaftliche Einbettung der Hochschulen ist von großer Bedeutung für eine demokratische Weiterentwicklung der Gesellschaft.

Für eine soziale, demokratische und zivile Universität zu Köln: Die Juso-Hochschulgruppe!