Kategorien
Allgemein Termine Themenabende

COVID-19 und der Semesterstart: “Soziale Ungerechtigkeit vs. Digitalisierung”

Die erste Vorlesungswoche ist fast vorbei und wir fragen uns: Wie genau ist es denn bisher so gelaufen? Ein Semesterstart ohne Präsenzveranstaltungen — Uni im Homeoffice, können wir das?

Für die meisten von uns ist es sicherlich nicht das Schlechteste, für die morgendlichen Vorlesungen das Bett nicht einmal verlassen zu müssen. Aber: Der Verzicht auf Präsenzveranstaltungen fördert die soziale Ungerechtigkeit. Denn nicht jede*r verfügt über ausreichend schnelles Internet, ein entsprechendes Endgerät oder über einen eigenen gut ausgestatteten Arbeitsplatz. 

Hinzu kommt: Die Universität ist auf solches “Digitalsemester” nicht vorbereitet. In kürzester Zeit mussten die einzelnen Professor*innen Wege finden, den Studierenden den Lehrstoff digital in der gebotenen Qualität zu vermitteln.

Wir laden euch zu einem entspannten Gesprächsabend zu diesem Thema ein. Wir wollen von euch wissen: Wie geht ihr mit der aktuellen Situation um? Wie gut werden digitale Lehrkonzepte in eurem Studiengang umgesetzt? Welche Probleme oder Vorteile ergeben sich durch den Verzicht auf Präsenzveranstaltungen? uvm.

Das Treffen wird digital über Zoom stattfinden. Damit ihr auch an diesem Abend teilnehmen könnt, wenn ihr die erforderliche Hard- und Software nicht aufweisen könnt, bieten wir euch folgende Möglichkeit: Schreibt uns euren Input oder eure Fragen auf Facebook oder Instagram. Wir werden diese dann in das Gespräch mit einfließen lassen. In den Tagen nach dem Gesprächsabend veröffentlichen wir eine Zusammenfassung, in der ihr alle Infos und Antworten nachlesen könnt!

Wann? — Donnerstag, den 23.04.2020 um 18:30 Uhr
Wo? — Zoom-Meeting

Kategorien
Allgemein Positionen SARS-CoV-2-Pandemie

Unsere Forderungen zur Bewältigung der SARS-CoV-2- Pandemie

Wir haben uns viele Gedanken über die aktuelle Situation von Studierenden und unserer Studierendenschaft gemacht. Dabei sind wir zu folgenden Schlüssen gekommen:

Finanzielle Situation von Studierenden:

Angesichts der Tatsache, dass 78% der Studierenden in Köln neben ihrem Studium einer Nebentätigkeit nachgehen müssen, um ihren Unterhalt zu finanzieren, ist davon auszugehen, dass viele Studierende der Universität zu Köln durch die Maßnahmen zur Eindämmung von SARS-CoV‑2 in den nächsten Wochen und Monaten in eine finanzielle Notlage geraten werden, weil sie ihren Nebentätigkeiten nicht mehr nachgehen können. Um diese Not für möglichst viele Studierende zu lindern, fordern wir:

…  dass Studierende 3.000€ Soforthilfe vom Staat erhalten und wünschen uns, dass die Petition, die der AStA und auch die Juso Hochschulgruppe bereits unterstützen, weiter beworben wird.

…  dass sich der AStA dafür einsetzt, dass das BAföG mittelfristig so erweitert wird, dass es alle Studierende in finanzieller Notlage unterstützen kann. (Stichwort: alters- und elternunabhängiges BAföG und BAföG-Erhöhung)

Da die Studierendenschaft über die Möglichkeit verfügt einzelnen Studierenden in finanzieller Notlage Darlehen zu gewähren, fordern wir:

…  dass die Zwölftelregelung für den Kurzdarlehen-Titel schnellstmöglich aufgehoben wird, um zu gewährleisten, dass alle Studierenden, die Kurzdarlehen beantragen, auch bedacht werden können.

…  dass Darlehen von bisher 300€ auf 500€ aufgestockt werden.

…  dass die Vergabekriterien und Rückzahlungsmodalitäten gelockert werden.

…  dass eine Hilfskraft, die im Servicepoint angestellt ist, oder eine Projektleitung im Sozialreferat damit beauftragt wird die AStA-Kasse bei der Abwicklung des zu erwartenden Mehraufwands zu unterstützen.

…  dass das Angebot mehr beworben wird.


Nichtsemester bzw. Optionssemester:

Das kommende Sommersemester wird wie oben bereits beschrieben viele Studierende vor enorme Herausforderungen stellen. Viele Studierende müssen in der kommenden Zeit Care- Verpflichtungen nachgehen, verfügen nicht über die notwendige technische Ausstattung oder können nicht die von der Universität gestellte Infrastruktur nutzen. Deswegen fordern wir:

…dass der AStA die Petition für ein “Nichtsemester” unterstützt. Dabei muss die Devise gelten “Alles kann, nichts muss” weswegen wir eher von einem “Optionssemester” sprechen. Auch mit Blick auf die prekäre Lage im wissenschaftlichen Mittelbau ist diese Petition zu unterstützen.

Lehre:

Für uns ist klar, dass die Lehre im kommenden Semester höchstwahrscheinlich nur digital und ohne Präsenzlehre stattfinden wird. Um den Umschwung zu digitaler Lehre gerecht und fair zu organisieren, benötigt es eine transparente Einbeziehung der Studierendenschaft. Folglich fordern wir:

…  dass Studierende keine Benachteiligung durch fehlende technische Ausstattung erfahren. Chancengerechtigkeit muss auch bei digitaler Lehre gewährleistet bleiben.

…  dass die Studierenden bei der Erarbeitung von digitalen Lehr- und Lernkonzepten ernsthaft eingebunden werden über die Fachschaften und auch das Lehrereferat des AStA.

…  dass der AStA sich gegen Alleingänge einzelner Fakultäten einsetzt und von den Fakultäten bessere eine Kommunikation über die aktuelle Lehrsituation einfordert.

… dass die Unterstützung der Position sich nicht auf moralische Aspekte beschränkt, sondern sich in der politischen Arbeit des AStA widerspiegelt.

… dass der AStA sich um einen Sitz im Krisenstab der Universität bemüht.


Öffentlichkeitsarbeit:

Die Universität zu Köln ist in normalen Zeiten bereits ein schwierig zu navigierender Kosmos. Gerade in der aktuellen Situation brauchen Studierende allerdings viel mehr Informationen darüber wie sie ihr Studium und ihren Studienalltag organisieren können. Dem AStA fällt dabei eine tragende Rolle zu, da er die Informationen für Studierende bündeln und einordnen kann. Diese Rolle füllt er derzeit leider nicht aus. Deswegen fordern wir:

… dass der AStA zusammen mit den Fachschaften präsenter werden muss. Studierende müssen über aktuelle Entwicklungen zügig informiert werden. Dabei kann auch auf eigene Angebote hingewiesen werden wie bspw. die Kurzdarlehen (s.o.), die
zu können. Derzeit scheint niemand zu wissen, was der Komplex “Digitale Lehre” eigentlich alles umfasst. Die Studierendenschaft muss diese Defizite intern beheben.


Vernetzung:

Nicht nur die Studierenden an der Universität zu Köln stehen vor großen Herausforderungen angesichts der aktuellen SARS-CoV-2-Pandemie. Deswegen ist es sinnvoll, sich verstärkt zu vernetzen, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Daher fordern wir:

…  dass der AStA in einen stetigen Austausch mit dem Landes-ASten-Treffen, weiteren Kölner ASten und Funktionsträger*innen in Politik und Gesellschaft tritt, um auf die prekäre Lage der Studierenden hinzuweisen.

…  dass der AStA Petitionen und Bündnisse zur Verbesserung der Lebenssituation von Studierenden aktiv unterstützt.

Kategorien
Allgemein Positionen

Stellungnahme: StuPa wählt Minderheiten-AStA mit Stimmen von Rechts

Am 29.01.2020 wurde im Studierendenparlament der neue 1. AStA-Vorsitzende und damit der neue AStA gewählt. 

1. Vorsitzender ist jetzt Eugen Esman (Die Unabhängigen). Der neue AStA wird von den Gruppen „Die Unabhängigen“ (stark durch die WiSo-Fachschaft geprägte Liste) und den beiden neugegründeten Listen „Bündnis19/Grün“ (keinerlei Verbindung zur Partei die Grünen) und „Rot Grün For Future“ (Spaßliste) gebildet. Gestützt wird dieser AStA, der im Studierendenparlament keine eigene Mehrheit hat, von den Gruppen „Campus Union – JU HSG & RCDS“, „Liberale Hochschulgruppe“ und „Hambibis“ (Spaßliste aus dem rechten Verbindungsmilieu, hat nichts mit Umweltschützer*innen im Hambacher Forst zu tun).

Zunächst einmal möchten wir Eugen Esman und der Koalition aus Unabhängigen, Bündnis 19/Grün und Rot Grün For Future gratulieren und ihnen für die zukünftige AStA-Arbeit viel Erfolg wünschen.

Die Art und Weise, wie der neue AStA gewählt wurde beunruhigt uns jedoch zutiefst und wir möchten zu einigen Geschehnissen aus dem StuPa Stellung beziehen. 

A.

Zur Wahl standen zwei Kandidat*innen, Eugen Esman (Die Unabhängigen) und die bisherige zweite AStA-Vorsitzende Nina Schaft (Juso-HSG, unterstützt von allen linken Gruppen). In der der Wahl vorausgehenden Fragerunde zeigte sich Eugen Esman…

schlecht informiert über die bisherige AStA-Arbeit sowie die umfassenden Aufgaben des AStA.

…extrem uninspiriert: Während Nina Schaft darüber sprach, gegen sexuelle Belästigung, jedwede Art von Diskriminierung und den Rechtsruck in Gesellschaft und Universität anzukämpfen, konnte Eugen Esman nicht ein einziges Projekt oder Anliegen vorstellen, das er umsetzen möchte. Es blieb auch bei Nachfragen lediglich bei einem Verweis darauf, für alle Ideen und Projekte offen zu sein.

…überhaupt nicht transparent: Der Kandidat Eugen Esman weigerte sich zunächst preiszugeben, mit wem seine Gruppe koalieren möchte, erst nach mehrmaligem Nachbohren offenbarte er die Koalition, wollte (oder konnte) aber keine Referent*innen öffentlich machen. 

Als während der Fragerunde dann offensichtlich wurde, dass Eugen Esman als Kandidat der „Unabhängigen“ vollkommen uninformiert, planlos und ohne inhaltliche Positionen auftrat, stellte die Fraktion einen Antrag auf Abbruch der Fragerunde und sofortige Wahl, den sie mit ihrer von rechten Gruppen ermöglichten Mehrheit durchsetzte. Dieses äußerst undemokratische Vorgehen – inhaltliche Fragen einfach zu ignorieren und eine offene Fragerunde abzuwürgen – sehen wir extrem kritisch und fordern, dass dies nicht zum gewöhnlichen Vorgehen wird.

B.

Die einzige inhaltliche Aussage, die sich der Kandidat Eugen Esman entlocken ließ, war die, dass der neue AStA kein politischer sondern ein „Fachschaften-AStA“ sei. Diese Aussage ist aus verschiedenen Aspekten fragwürdig.

Zum einen stellt sich hier die Frage, für welche Fachschaften sich ein AStA einsetzt, der aus einer WiSo-Fachschaftsliste (Unabhängige), einer Spaßliste mit irreführenden Namen und Mitgliedern aus der Fachschaft Chemie (Rot Grün For Future) und einer der Fachschaft Geschichte sehr nahestehenden Liste (Bündnis19/Grün) besteht.

Zum anderen darf man sich hier wohl fragen, inwieweit ein unpolitischer AStA das Wahlergebnis widerspiegelt. So wurden wohl zumindest die beiden Gruppen, die in ihrem Namen mit den Grünen kokettieren, mit dem Auftrag gewählt, sich im AStA umweltpolitisch zu engagieren.

Generell kann Hochschulpolitik als AStA nicht nur aus „Fachschaften stärken“ bestehen, dafür gibt es ein Fachschaftenreferat und vor allem die Fachschaften selbst. AStA-Arbeit ist keine Fachschaftsarbeit! Es müssen Gelder in Millionenhöhe verwaltet werden, es hängt der Lebensunterhalt von ca. 30 Mitarbeiter*innen an einer qualifizierten Führung des AStA-Vorstands und es müssen Studierendeninteressen, die weit über ein Klausurenarchiv hinausgehen, bei Rektorat, Stadt und vielen weiteren Stellen überzeugend vertreten werden. Dies erfordert Rückgrat und vor allem eine Meinung auch zu politischen Themen. 
 
C.

Ein weiterer sehr problematischer Teil der Wahl war das Zustandekommen der Mehrheit. Eugen Esman wurde mit 28 Stimmen (bei 23 Stimmen für Nina Schaft) gewählt. Fünf dieser Stimmen stammten von den Gruppen Campus Union (2), Liberale Hochschulgruppe (2) und Hambibis (1). Spätestens seit der Landtagswahl in Thüringen sollte klar sein, dass es ein Unding ist, sich von rechten Gruppen wählen zu lassen. Dass der AStA im Studierendenparlament auch bei jeder kommenden Abstimmung Stimmen aus diesem Lager benötigt, zeigt schon, wie unpolitisch er wirklich agieren kann.

Und dass sich später herausstellte, dass der „unabhängige“ Kandidat Eugen Esman außerhalb der unpolistischen Hochschulpolitik Mitglied der Jungen Union ist, lässt das Gedankengebäude eines Fachschaften-AStA, der sich allgemeinpolitisch nicht positioniert, endgültig zerfallen.

D.

Die wohl bitterste Note des Abends setzte dann der Auftritt einiger Burschenschaftler aus dem rechten Spektrum in Coleur, mit denen sowohl die rechten Gruppen als auch einige Mitglieder der Unabhängigen freudig plauschten und Hände schüttelten. So etwas hat in unserem Studierendenparlament keinen Platz!

Insgesamt ein sehr bedenklicher Abend. Ein AStA, der sich seine Mehrheiten am rechten Rand suchen muss aber darauf besteht, dass Allgemeinpolitik an der Hochschule nichts zu suchen hat und ein planloser „unabhängiger“ 1. Vorsitzender, der direkt aus der Jungen Union kommt und keinerlei erkennbare inhaltliche Ambitionen hat.

Wir hoffen sehr, dass sich unsere Bedenken im Laufe des Jahres nicht bewahrheiten und werden die Arbeit des AStA kritisch begleiten.